Schulleitung & Kommunikation
EFV Teil 1: Eignungsfeststellungsverfahren für Schulleitungen in NRW – Ablauf und Bewertung

- Erschienen
- Lesezeit
- 6 Min.
EFV-Vorbereitung mit Burkhard Engels Einzeltraining anfragen
Inhalt · 6 Abschnitte
In dieser Themenreihe des Instituts für Schulentwicklung und Hochschuldidaktik erfahren Sie, was Sie während des Assessment-Centers erwartet und wie die zwei Tage des Eignungsfeststellungsverfahrens (EFV) (öffnet in neuem Tab) organisiert sind. Außerdem erhalten Sie wertvolle Hinweise und Tipps für die verschiedenen Aufgabentypen.
Anmeldung, Termine und Ort
Insgesamt 13 Termine pro Jahr werden für das Verfahren angeboten, wobei eine rechtzeitige Anmeldung empfohlen wird, die über die zuständige Bezirksregierung erfolgen muss. Die verbindliche Zusage für Ihren Termin erhalten Sie dann durch das Landesinstitut für Schule NRW (QUA-LiS) in Soest, in dessen Räumen das EFV durchgeführt wird.
Das Institut liegt am Paradieser Weg, aber der Name ist hier nicht Programm und die Unterkunft hat eher Jugendherbergscharakter. Darauf sollte man eingestellt sein, aber es empfiehlt sich auf jeden Fall, am Vortag anzureisen und zwei Nächte hier zu verbringen.
Die Veranstaltung beginnt nämlich sehr früh um 7.45 Uhr mit einer Begrüßungsrunde, und es macht Sinn, die grundsätzlich angespannte Prüfungssituation nicht noch durch den Anreisestress zu verschärfen. Außerdem bietet sich so die Möglichkeit, sich im Gebäude vorab zu orientieren und am Abend schon einige Mitprüflinge unter Freizeitbedingungen kennenzulernen, was die Stimmung ein wenig auflockern kann.
Bezüglich der Kleidung sollte Ihre Wahl sowohl den Wohlfühlaspekt als auch Ihre zukünftige Rolle als Schulleiterin oder Schulleiter berücksichtigen.
Ablauf des EFV: Tag 1
Während der Begrüßung stellen sich alle Teilnehmenden kurz vor und erhalten anschließend ihren persönlichen Prüfungsplan, dem Sie die genauen Zeiten und Räume für die einzelnen Prüfungselemente entnehmen können. Wer Fragen oder Orientierungsprobleme hat, kann sich außerdem vertrauensvoll an das Tagungsbüro wenden, das durchgehend besetzt ist.
Insgesamt ist die Prüfungssituation so angelegt, dass sie auf jeden Fall als Belastungs- bzw. Stressresistenztest funktioniert.
Der Hauptteil der Übungen findet dabei am ersten Tag statt: Die Gruppendiskussion, der Postkorb und das simulierte Personalgespräch gehören immer zum Programm des ersten Tages.
Wichtig zu erwähnen ist noch, dass jede Prüfungsgruppe aus zwei Untergruppen (A und K) besteht und diese jeweils noch einmal in drei Gruppen mit je sechs Teilnehmerinnen und Teilnehmern aufgeteilt sind. Anhand Ihrer Kennziffer und der Sitzordnung bei der Begrüßung finden Sie schnell heraus, wer zu Ihrer Sechsergruppe (z. B. A 1–6) gehört, mit der Sie auch die Gruppendiskussion gemeinsam bestreiten werden.
Ablauf des EFV: Tag 2
Am zweiten Tag folgen, nicht zwingend in dieser Reihenfolge, das Interview zur Postkorbübung sowie die Projektplanung und deren Präsentation.
Erst wenn alle Prüfungen beendet und abschließend bewertet sind, folgt die individuelle Ergebnisbekanntgabe. Am zweiten Tag sind die Wartezeiten dementsprechend teilweise entnervend lang, und es macht Sinn, sich eine persönliche Strategie zur Überbrückung zu überlegen. Das mag für einige ein gutes Buch, für andere ein langer Spaziergang oder Joggen, für dritte vielleicht eine Shoppingtour in Soest sein.
Beobachtende, Austausch und Material
Erwähnenswert ist noch, dass außer den 36 Teilnehmenden viele Prüferinnen und Prüfer aus den Bereichen Schulleitung, Schulaufsicht sowie der kommunalen Schulträger anwesend sind. Dazu kommen Gäste, Beobachtende und Mitarbeitende von QUA-LiS, sodass die Prüfer, die speziell Sie beobachten und bewerten, für Sie grundsätzlich anonym bleiben.
Grundsätzlich möchte ich vor einem zu intensiven Austausch mit den anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern warnen, deren subjektive Erfahrungsberichte, Einschätzungen zur Schwierigkeit einzelner Übungen oder einfach nur aufgeregte Kommentare häufig eher verwirren und verunsichern. Private Gespräche am Abend oder während der Wartezeit können allerdings durchaus ablenkende oder beruhigende Wirkung haben.
Wichtig mag noch der Hinweis sein, dass alle Aufgaben grundsätzlich analog bearbeitet werden, sodass Sie persönliche Stifte mitbringen sollten, mit denen Sie zügig und leserlich schreiben können.
Was das Ergebnis für Ihre Bewerbung bedeutet
Erst aus Anlass der Bewerbung um ein konkretes Schulleitungsamt erfolgt eine dienstliche Beurteilung durch die zuständige Dienstaufsicht. Hier fließen die Ergebnisse des EFV, die Aussagen aus dem Leistungsbericht Ihrer Schulleiterin oder Ihres Schulleiters und vor allem bei abweichenden Ergebnissen die Erkenntnisse aus einem schulfachlichen Gespräch ein. Daraus ergibt sich auch, dass das Ergebnis des EFV nur sehr bedingt über die abschließende dienstliche Beurteilung Aufschluss gibt, wohingegen ein erfolgreicher Abschluss zwingend notwendig ist.
Bewertung im EFV: Kompetenzen, Punkte und Ergebnis
Zum Abschluss der ersten Orientierung finden Sie im Folgenden die grundlegenden Informationen zur Bewertung Ihrer Prüfungsleistungen und zum Zustandekommen Ihres Endergebnisses sowie eine Übersicht über die erwarteten Kompetenzen mit den entsprechenden Beurteilungskriterien und den zugeordneten Prüfungselementen. Grundlage ist der Runderlass des Schulministeriums vom 2. Mai 2016 (BASS 21-01 Nr. 30) (öffnet in neuem Tab), zuletzt geändert am 28. April 2026.
Das Beobachtungsteam
Das siebenköpfige Beobachtungsteam setzt sich in der Regel aus drei Vertreterinnen und Vertretern der Schulaufsicht, zwei Schulleiterinnen und Schulleitern sowie zwei Vertreterinnen und Vertretern der Schulträgerseite zusammen. Die Beobachterinnen und Beobachter wechseln sich in einem rollierenden System bei der Bewertung der unterschiedlichen Übungen ab.
Ermittlung des Punktwertes
Jede Leitungskompetenz wird in zwei Übungen von jeweils zwei Beobachtenden bewertet – also viermal mit je 1 bis 4 Punkten:
| Kompetenz | 4 Bewertungen | Summe |
|---|---|---|
| Kommunikation | je 1–4 | 4–16 |
| Rollenklarheit | je 1–4 | 4–16 |
| Innovation | je 1–4 | 4–16 |
| Management | je 1–4 | 4–16 |
| Gesamt | 16–64 |
So werden die Punkte je Beobachtung vergeben:
| Bewertung der Kriterien | Punkte |
|---|---|
| Die überwiegende Zahl der Kriterien wurde mit „gut erfüllt“ bewertet. | 4 |
| Die überwiegende Zahl der Kriterien wurde mindestens mit „erfüllt“ bewertet. | 3 |
| Mindestens die Hälfte der Kriterien wurde nicht besser als mit „zum Teil erfüllt“ bewertet. | 2 |
| Die überwiegende Zahl der Kriterien wurde mit „nicht erfüllt“ bewertet. | 1 |
Ergebnisse
| Gesamtergebnis | Punkte |
|---|---|
| Die Leistungen übertreffen die Anforderungen in besonderem Maße. | 52–64 |
| Die Leistungen übertreffen die Anforderungen. | 44–51 |
| Die Leistungen entsprechen den Anforderungen. | 41–43 |
| Die Leistungen entsprechen im Allgemeinen noch den Anforderungen. | 25–40 |
| Die Leistungen entsprechen nicht den Anforderungen. | 16–24 |
Kompetenzen, Beurteilungskriterien und Übungen
Kommunikation – geprüft im Konflikt-, Beratungs- oder Beurteilungsgespräch und in der Gruppendiskussion. Die Kandidatin bzw. der Kandidat
- agiert empathisch
- ist in Aussagen inhaltlich klar
- zeigt ein stimmiges Kommunikationsverhalten
- strebt aktiv Austausch und Absprachen an
- stellt sicher, dass die Gesprächspartner sich wechselseitig verstehen
- ergründet gemeinsam mit den Beteiligten die Problemsituation(en)
- sucht nach Ausgleich und vertretbaren Kompromissen, ohne das eigene Ziel aus den Augen zu verlieren
- vereinbart die weitere Vorgehensweise
Rollenklarheit – geprüft im Konflikt-, Beratungs- oder Beurteilungsgespräch und im Postkorb. Die Kandidatin bzw. der Kandidat
- zeigt Verantwortung als Schulleiterin bzw. Schulleiter für das System Schule
- nimmt ihre bzw. seine Führung wahr
- benennt die Problemsituationen
- grenzt sich gegenüber den Rollen von Arbeitspartnerinnen und -partnern ab
- strebt Verbindlichkeit an und handelt zielorientiert
- leitet das Gespräch zielorientiert
- zeigt Sicherheit
- entwickelt Handlungsoptionen und Lösungen
Innovation – geprüft in der Gruppendiskussion und in der Projektplanung bzw. pädagogischen Beurteilung von Unterricht. Die Kandidatin bzw. der Kandidat
- analysiert die Ausgangsbedingungen des Systems für das Innovationsvorhaben
- benennt Potenziale für Neuerungen und Veränderungen
- entwickelt zukunftsweisende Ansätze
- wägt Chancen und Risiken ab
- thematisiert Abstimmungs- und Unterstützungsbedarf zur Initiierung des Entwicklungsvorhabens
Management – geprüft im Postkorb und in der Projektplanung bzw. pädagogischen Beurteilung von Unterricht. Die Kandidatin bzw. der Kandidat
- benennt und beschreibt Ziele
- benennt Erfolgskriterien
- setzt sinnvoll Prioritäten
- entscheidet und delegiert
- berücksichtigt Ressourcen
- trifft Vorkehrungen für einen reibungslosen Ablauf
- extrahiert relevante Informationen
- stellt Umsetzungsmöglichkeiten plausibel dar
Wie Sie sich auf die einzelnen Übungen vorbereiten, lesen Sie in den folgenden Teilen der Reihe – beginnend mit Teil 2: Die Gruppendiskussion.