Die systemische 13 · Teil 12
Therapeutische Abstinenz vs. systemische Resonanz

Inhalt · 4 Abschnitte
Einleitung: Abstinenz als therapeutisches Schutzprinzip
In manch einer Therapierichtung, etwa der Psychoanalyse, gilt eine vergleichsweise strenge Abstinenzregel, dergemäß eine enge persönliche Anteil- oder Einflussnahme verhindert werden soll, um das therapeutische Setting vor Verzerrungen, emotionalen Abhängigkeiten und Machtmissbrauch zu bewahren.
Beziehungsqualität und Resonanz im Coaching
Im Coaching spielen die Beziehungsqualität und Passung zwischen Coach und Coachee eine wesentliche Rolle (Graßmann, 2019; siehe hierzu auch den vorherigen Beitrag zur Wirksamkeitsforschung von Coaching).
Hierfür kommt es auch darauf an, wie sehr die Coaches in der Lage sind, mit dem Gehörten und Beobachteten in Resonanz zu gehen. Denn dies wiederum ist Voraussetzung dafür, dass sich die Coachees verstanden fühlen und die Coaches Ideen für Hypothesen und Interventionen entwickeln können.
Kongruenz und Authentizität als professionelle Haltung
Yalom (Der Panama-Hut, 2017) beschreibt eine differenzierte Haltung, sich als Therapeutin oder Therapeut punktuell mit eigenen Erlebnissen und Erfahrungen einzubringen, um Kongruenz und Authentizität zu erzeugen.
Eine solche Haltung lässt sich auch auf nicht-therapeutische Settings übertragen, etwa im Coaching und Counseling (Sawatzki, 2019).
Die systemische Schleife als Prozesslogik
Wenn die Coaches die Prozessverantwortung tragen und systemische Methoden zur Prozessgestaltung anbieten, folgen sie dem Prinzip der systemischen Schleife (Königswieser & Hillebrand, 2023):
01
Beobachten und Informationen sammeln
02
Hypothesen bilden und formulieren
03
Intervention planen
04
Intervention durchführen
05
Und wieder: Beobachten und Informationen sammeln usw.
Bei diesem Vorgehen scheint eine systemische Resonanz von größerer Bedeutung als eine restriktive therapeutische Abstinenz.
Weiterführender Hinweis
Das diesbezügliche Verständnis wurde vor einigen Jahren ausführlicher im Rahmen des Counseling-Journals beschrieben. Wer sich näher damit befassen mag, findet den Beitrag dort. Beitrag als PDF öffnen Quelle: https://counselingjournal.de/media/counseling_journal_17.pdf
Häufige Fragen
Was ist die Abstinenzregel in der Therapie?
In manch einer Therapierichtung, etwa der Psychoanalyse, gilt eine vergleichsweise strenge Abstinenzregel. Sie soll eine enge persönliche Anteil- oder Einflussnahme verhindern, um das therapeutische Setting vor Verzerrungen, emotionalen Abhängigkeiten und Machtmissbrauch zu bewahren.
Was bedeutet systemische Resonanz im Coaching?
Im Coaching spielen Beziehungsqualität und Passung zwischen Coach und Coachee eine wesentliche Rolle (Graßmann, 2019). Dafür kommt es darauf an, wie sehr Coaches mit dem Gehörten und Beobachteten in Resonanz gehen können. Das ist Voraussetzung dafür, dass sich Coachees verstanden fühlen und Coaches Ideen für Hypothesen und Interventionen entwickeln. Zur Beziehung als Wirkfaktor siehe Teil 11: Wirksamkeit systemischen Coachings.
Dürfen sich Coaches mit eigenen Erfahrungen einbringen?
Yalom (Der Panama-Hut, 2017) beschreibt eine differenzierte Haltung, sich als Therapeutin oder Therapeut punktuell mit eigenen Erlebnissen und Erfahrungen einzubringen, um Kongruenz und Authentizität zu erzeugen. Eine solche Haltung lässt sich auch auf nicht-therapeutische Settings wie Coaching und Counseling übertragen (Sawatzki, 2019).
Was ist die systemische Schleife?
Wenn Coaches die Prozessverantwortung tragen, folgen sie dem Prinzip der systemischen Schleife (Königswieser & Hillebrand, 2023): Beobachten und Informationen sammeln, Hypothesen bilden und formulieren, eine Intervention planen und durchführen, und dann wieder beobachten. Bei diesem Vorgehen scheint eine systemische Resonanz bedeutsamer als eine restriktive therapeutische Abstinenz.
