Die systemische 13 · Teil 2
Was ist der Unterschied zwischen Coaching und Therapie?

Inhalt · 4 Abschnitte
Die Grenze zwischen Coaching und Therapie
Vorneweg: Die Grenze zwischen Coaching und Therapie ist fließend und ganz sicher nicht immer eindeutig. Dennoch – oder gerade deshalb – ist es wichtig, als Coach den Unterschied präsent zu haben. Denn:
Coaching ist keine therapeutische Behandlung
Coaching dient weder der Diagnostik noch der therapeutischen Behandlung von Krankheitsbildern. Es richtet sich an „gesunde“ Personen bzw. stellt eine beratende, nicht heilberufliche Tätigkeit ohne Krankheitsbezug dar, während die Psychotherapie ein Heilberuf ist, der Störungen mit Krankheitswert behandelt und ausschließlich von approbierten Fachpersonen ausgeübt werden darf (PsychThG, 2020, § 1 Abs. 2, S. 3).

Zentrale Unterschiede zwischen Coaching und Psychotherapie
Weitere distinktive Merkmale zwischen Coaching und Psychotherapie (neben der psychischen Gesundheit resp. Krankheit und der rechtlichen Zulassung) sind:
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Handlungsfähigkeit der Klient:innen bzw. Patient:innen: ist im Coaching grundsätzlich vorhanden, in der Therapie ggf. nicht mehr bzw. noch nicht.
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Tiefe der Problembearbeitung und Länge der Arbeitsbeziehung: im Coaching in der Regel kürzer als in der Therapie.
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Aus- bzw. Weiterbildungshintergrund: Psychotherapie ist ein Ausbildungsberuf nach erfolgtem Studium, Coaching setzt eine Weiterbildung voraus.
Fünf Konsequenzen für Coaches
Was bedeutet das nun für uns als Coaches?
1. Abgrenzung in der Coaching-Weiterbildung: Eine gute Coaching-Weiterbildung sollte die Abgrenzung zwischen Coaching und Therapie thematisieren. Ein Crashkurs in Sachen Psychopathologie ist außerdem nützlich, um besser einschätzen zu können, wann ein Coachee weiterführende und tiefergehende Hilfe in Anspruch nehmen sollte.
2. Relevanz der ICD-11 für Coaches: Wir sollten uns mit Kapitel 6 der ICD-11 auseinandergesetzt haben, in der psychische Störungen klassifiziert werden. Darin wurden in der neuesten Revision bspw. die Computerspielsucht oder das Burnout-Syndrom neu aufgenommen.
3. Keine Ersatztherapie im Coaching: Wir können, sollten und dürfen keine „Ersatztherapie“ durchführen. Dennoch kann, wenn der Fokus auf dem Beruflichen bleibt, ein Coaching auch solche Klient:innen wertvoll unterstützen, die sich parallel in therapeutischer Behandlung befinden.
4. Professionelles Netzwerk für Weitervermittlung: Wir sollten ein gutes Netzwerk aufbauen, um Coachees mit psychischen Auffälligkeiten ggf. an Therapeut:innen oder andere therapeutische Instanzen weitervermitteln zu können.
5. Verantwortung bei Krisen und Selbstgefährdung: Bei selbstgefährdendem Verhalten (etwa der Formulierung von suizidalen Gedanken oder Plänen) IMMER ernst nehmen und DIREKT an eine professionelle Distanz verweisen.
Fazit: Professionelle Grenzen und Verantwortung im Coaching
Die klare Unterscheidung zwischen Coaching und Therapie ist ein zentraler Bestandteil professioneller Coaching-Arbeit. Sie schafft Sicherheit, Orientierung und Vertrauen – für Coaches wie für Klient:innen gleichermaßen.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Coaching und Therapie?
Coaching dient weder der Diagnostik noch der Behandlung von Krankheitsbildern; es ist eine beratende, nicht heilberufliche Tätigkeit ohne Krankheitsbezug. Psychotherapie ist ein Heilberuf, der Störungen mit Krankheitswert behandelt und nur von approbierten Fachpersonen ausgeübt werden darf (PsychThG, 2020, § 1 Abs. 2, S. 3). Die Grenze ist allerdings fließend und nicht immer eindeutig.
Woran lassen sich Coaching und Psychotherapie abgrenzen?
Neben psychischer Gesundheit bzw. Krankheit und rechtlicher Zulassung gibt es drei weitere Merkmale. Die Handlungsfähigkeit ist im Coaching grundsätzlich vorhanden, in der Therapie gegebenenfalls nicht mehr oder noch nicht. Problembearbeitung und Arbeitsbeziehung sind im Coaching in der Regel kürzer, und während Psychotherapie ein Ausbildungsberuf nach einem Studium ist, setzt Coaching eine Weiterbildung voraus.
Darf man Menschen coachen, die in Therapie sind?
Coaches können, sollten und dürfen keine „Ersatztherapie“ durchführen. Wenn der Fokus auf dem Beruflichen bleibt, kann ein Coaching aber auch Klient:innen wertvoll unterstützen, die sich parallel in therapeutischer Behandlung befinden. Für Coachees mit psychischen Auffälligkeiten braucht es zudem ein Netzwerk, um sie an Therapeut:innen weitervermitteln zu können.
Was sollte eine Coaching-Weiterbildung zur Abgrenzung von Therapie vermitteln?
Eine gute Coaching-Weiterbildung sollte die Abgrenzung zwischen Coaching und Therapie thematisieren. Nützlich ist außerdem ein Crashkurs in Psychopathologie, um besser einschätzen zu können, wann ein Coachee weiterführende Hilfe braucht. Dazu gehört auch die Auseinandersetzung mit Kapitel 6 der ICD-11, in dem psychische Störungen klassifiziert werden. Mehr zur Weiterbildung Systemisches Coaching.
